Donnerstag, 21. März 2019

Buchempfehlung: "Kurt" von Sarah Kuttner

Keine leichte Kost:
Lena lebt mit Kurt zusammen, erst vor kurzem haben sie gemeinsam ein renovierungsbedürftiges Haus in Brandenburg gekauft und fangen nach und nach an, es wohnlich zu machen. Das machen sie vor allem auch für den kleinen Kurt, den 6-jährigen Sohn des großen Kurt, der nach der Trennung der Eltern ein neues Zuhause bekommen soll. Und tatkräftig mithilft, sei es mit kindlicher Begeisterung, wenn wieder etwas eingerissen oder neu gemalt wurde oder wenn er liebevoll versucht mit seiner Kinderschaufel den Jasmin im noch verwilderten Garten einzugraben. Die drei arbeiten daran, eine kleine neue Teilzeit-Familie zu werden, in der jeder noch seinen Platz sucht, denn Lena ist eben nicht die Mutter vom kleinen Kurt und ist sich oft noch unsicher, worin ihre Rolle in diesem Gefüge genau besteht.
Und dann fällt der kleine Kurt eines Tages plötzlich vom Klettergerüst und bricht sich das Genick und alles scheint mit ihm zusammenzubrechen: die Eltern, Lena und Kurt, die Zukunft, das Leben und nicht zuletzt das Glück. 

Ich war mir erst nicht sicher, ob ich dieses Buch lesen möchte. Als Mutter fällt es mir sehr schwer, etwas zu sehen oder zu lesen, in dem Kindern etwas zustösst. Aber Sarah Kuttner schreibt über dieses schwierige Thema auf eine gerade zu entwaffnende Art. Sie schafft es, dass man trotz des Unglücks, das über diese Gruppe von Menschen zusammen bricht, die Hoffnung spürt. Denn es muss ja irgendwie weitergehen, der Alltag nimmt keine Rücksicht auf Trauer und Einsamkeit, auf Kurts Gefühl, nie wieder Licht zusehen.

"(...) ich habe überhaupt keine Kontrolle über diese beschissene Traurigkeit. Verstehst du? Ich fühle mich, als hätte mich ein Gefühl gekidnappt und in einen Keller verschleppt. Es gibt Tage, da ist es besser, da kann ich in diesem dunklen Keller kurz aus dem Fenster sehen. Aber dann sehe ich da eine Welt ohne Kurt und will gar nicht mehr rausgehen. Und gleichzeitig bist natürlich auch du da draußen, und dich will ich, aber ich habe keine Kraft. Ich habe es schon am Telefon gesagt: Du fehlst mir auch. Sehr sogar. Aber du bist da draußen, wo Kurt nicht mehr ist, und ich bin in diesem Keller gefangen. (...)"

Und sie beschreibt sehr schön den Zwiespalt, in dem sich Lena befindet. War sie sich vorher schon unsicher, was sie für den kleinen Kurt ist, fragt sie sich nun, ob sie überhaupt das "Recht" hat im gleichen Maß um ihn zu trauern, wie seine Eltern? Ob sie eifersüchtig sein soll, wenn diese sich über ihre Trauer austauschen und ob sie nicht selbst ihr Bedürfnis, auch getröstet und gehalten zu werden, unterdrückt aus lauter Rücksicht.

Lesenwert!

LG von Caro 

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Kommentare:

  1. Das wandert auf meinen Wunschzettel :-)

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  2. Huhu Caro,
    toll, dass du es schon gelesen hast. Ich mag Sarah Kuttner seit "Mängelexemplar" sehr gerne und freue mich im April auch "Kurt" zu lesen.
    Liebe Grüße, Petra

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