Dienstag, 11. April 2017

Buchempfehlung: "Der nasse Fisch" von Arne Jysch

Am Freitag war ich auf Einladung des Carlsen-Verlages bei einer Lesung zu "Der nasse Fisch" von Arne Jysch* eingeladen. Das Besondere an dieser Lesung war, dass es sich nicht um ein normales Buch handelt (das gibt es nämlich bereits: "Der nasse Fisch" von Volker Kutscher*, mittlerweile schon in der 48. Auflage), sondern um seine Adaption als Graphic Novel.
Graphic Novels üben mehr und mehr eine Faszination auf mich aus. Dachte ich, ich hätte (bis auf Horror und andere Randbereiche) bereits aus fast allen Genres etwas gelesen, hab ich erst letztes Jahr diese Art von Literatur entdeckt. Wer denkt, es sei vergleichbar mit banalen Comics, der irrt. Es hilft zwar, wenn man auch schon immer gerne Comics gelesen hat, (wie ich zB stundenlang in den Ferien) da man dann mit dem Aufbau vertraut ist, aber Graphic Novels sind meist eher für Erwachsene. Sie sind unheimlich komplex, detailverliebt durch die Bilder und saugen einen durch diese neue Dimension geradezu rein in die Geschichte. Man braucht mindestens so lang für das wirkliche Lesen einer Graphic Novel wie für ein richtiges Buch.

Die Lesung wa einfach toll. 
Zum einen, weil sowohl Arne Jysch als auch Volker Kutscher anwesend waren und spannende Einblicke in ihre jeweilige Arbeit gegeben haben. So hat Volker Kutscher bereits für seine bis jetzt 6-bändige Krimireihe um den Komissar Gereon Rath umfängliche Recherche betreiben müssen, um möglichst realistisch über den Alltag im Berlin der 20er Jahre schreiben zu können. Arne Jysch als Illustrator musste zusätzlich noch viel mehr über die Gewohnheiten der Menschen erfahren. Wie hielten die Männer ihre Hüte? Wie dick war der Stoff der Anzüge? Behielten die Damen auf Festen im Haus ihre Hüte auf? Wie sahen die Lichtschalter im Komissariat aus und waren die Leitungen verputzt oder einfach über die Wand verlegt? Kein Wunder also, dass er für das Zeichnen dieser Graphic Novel mehrere Jahre brauchte. Und beide haben trotz der gleichen Geschichte etwas vollkommen Eigenständiges geschaffen. Und demnächst kommt sogar eine Verfilmung unter der Regie von Tom Tykwer raus. 
Zum anderen handelte es sich um eine szenische Lesung. Da wurden mit Hilfe von Geräuschen und Stimme einzelne Bilder zum Leben erweckt: wenn der Russe betrunken in Raths Zimmer torkelt und ihn niederschlägt, der Schuss sich im Donner löst, die leise Tanzmusik im Hintergund als Rath auf einer Party auf Männer trifft, die nur scheinbar unbestechlich sind. Wir waren alle ganz gebannt. Ein großes Kompliment an das Team von Carlsen!

LG von Caro

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1 Kommentar:

  1. ... und als er mit dem Kissen einen Kampf simulierte, spätestens da war es um mich geschehen!

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